Game Changers

Game Changers

Der Game Changers Film ist in aller Munde. Ich wollte ihn mir gar nicht anschauen, denn wie gut kann «Ernährungsberatung» auf Netflix schon sein. Daher habe ich bereits erwartet, dass ich mich masslos aufregen werde, aber ich habe mich viel eher blendend amüsiert.  Die Comedy ist verdammt gut aufgebaut. Ein UFC Fighter verletzt sich und kämpft sich zurück in die Manege und in eine vegane Ernährung. Ganz grosses Kino auch der deutsche Powerlifter, welcher Vater und Bruder bei einem Autounfall verlor und Jahre später – allein durch Pflanzenkraft stark geworden – ein ganzes Auto mit blossen Händen umkippt. An Symbolkraft kaum zu überbieten. Inhaltlich war’s dann leider wie erwartet. Jeder, der sich ein wenig mit der Materie auseinander gesetzt hat, erkennt das Bemühen, jegliches Produkt tierischer Herkunft zu verteufeln. Es wird so weit gegangen, den Fleischkonsum mit Zigarettenrauchen zu assoziieren. Spätestens aber beim Messen der nächtlichen Erektion nach dem Konsum eines Bohnen- oder Chickenburritos dämmert es jedem, dass der Film nicht ganz ernst gemeint sein kann. Oder? Untenstehend ein paar Gedanken meinerseits zum Film, der meiner Ansicht nach reine Propaganda ist:  

  1. Die Game Changers machen keinen Hehl daraus, dass 2g Protein pro Kilogramm Körpergewicht für sportliche Personen adäquat ist. Ist die Person 75kg schwer, sind 150g Proteine pro Tag von Nöten. Möchte ich diese einzig mit roten Linsen (POZZIBLE’s Lieblingspflanzenprotein) abdecken, muss ich 600g davon essen, was 2000 Kalorien entspricht. Es braucht auch 600g Hähnenbrust (jawohl gleich viel!), um mit den Linsen mithalten zu können, aber der grosse Unterschied: Sie schlagen mit lediglich knapp 700 Kalorien zu Buche. Kalorie für Kalorie ist das Hähnchen die viel bessere Proteinquelle. Da dies den Filmemachern natürlich klar ist, nehmen sie nur Profiathleten, Bodybuilder und Sportler als vegane Protagonisten. Diese haben einen viel höheren täglichen Kalorienbedarf und vertragen 1300 Zusatzkalorien eher. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nimmt bei einer solchen Ernährung zu oder zumindest ganz sicher nicht ab oder verzichtet unbewusst auf wertvolle Proteine.
  2. Mit dem Veganismus ist es wie mit allen anderen Mode-Diäten. Die Anhänger wählen aus bestimmten klaren oder weniger klaren Gründen eine Ernährungsform und biegen die Wissenschaft dann so zurecht, dass sie ihre Wahl bestätigt und so das Gewissen beruhigt. Es wird ohne Scham «cherry picked»!  Schaut man sich den aktuellen Stand der Wissenschaft aber ohne einen Bias an, sieht es so aus, dass qualitativ hochwertige tierische Produkte sowohl die Leistung wie auch die Gesundheit positiv beeinflussen.
  3. Lassen sich durch eine rein pflanzliche Ernährung Muskeln aufbauen? Kann man sportliche Höchstleistungen erbringen? Definitiv! Ist es einfacher, wenn man auch auf tierische Produkte zugreifen kann? Ziemlich sicher. Ist es für eine 60kg schwere Frau einfacher, mit Hähnchenbrust, Magerquark und Whey Protein in eindrückliche Shape zu kommen und da zu bleiben? Ganz sicher! Ist es mit veganer Ernährung unmöglich? Nein, aber verdammt viel schwerer! (siehe Punkt 1).
  4. Menschen sind fürs Pflanzen essen gemacht und nicht fürs Fleischessen, so die Aussage im Film. Und übrigens essen unsere nahen Verwandten, die Gorillas, auch Pflanzen. Ein ausgewachsener Gorilla isst ca. 10% seines Körpergewichts in Pflanzen pro Tag, damit er genügend Proteine bekommt. Viel Spass auf der Toilette nach 7kg Brokkoli! 😉 Warum überlebt zudem ein Lebewesen die für ihn bestimmte Ernährung dann nicht ohne Supplementierung? Veganer müssen zwingend B-12 supplementieren, um den Mangel zu kompensieren. Der Erklärungsversuch im Film, dass früher B-12 durch «Dreck» am Gemüse und an den Früchten aufgenommen wurde, ist übrigens völlig an den Haaren herbei gezogen. Bullshit-Alarm!
  5. Ist eine rein pflanzliche Ernährung besser fürs Klima? Absolut! Tiere brauchen Platz, Wasser und Nahrung. Dieser Punkt ist unbestritten.
  6. Müssen Tiere getötet werden, um sie essen zu können? Leider ja. Daher sind ethisch-moralische Bedenken beim Verzehr tierischer Produkte der einzige valable Grund, den ich vorbehaltlos gelten lasse. Alle gesundheitlichen Erklärungsversuche sind ein Verbiegen der Wissenschaft.

Liebe Leute, es gibt in Ernährungsfragen kein Gut und Böse, kein Entweder-Oder. Es gibt einzig ein ZUVIEL oder ZUWENIG! Die beste Ernährung für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit ist jene, welche das Gros der Bevölkerung mit vertretbarem Aufwand durchziehen kann. Dies ist eine Kombination aus smarten tierischen Eiweissen und ganz ganz viel Gemüse, Früchte und Getreide.   

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